Als ein Polytrauma bezeichnet man eine Mehrfachverletzung, bei welcher eine - oder eine Kombination aus
mehreren Verletzungen lebensbedrohlich sind.
Die Übung war unterteilt in zwei Abschnitte: Zuerst wurde die Erstversorgung des Patienten im Rahmen
des Sanitätsdienstes durchgeführt, später die Versorgung durch den Rettungsdienst samt Notarzt simuliert.
Nachdem sich die Kollegin einen ersten Überblick verschafft hat, untersucht sie den Patienten vom Kopf beginnend
auf weitere Verletzungen und Ursachen für seine Schmerzen. Bei diesem Body-Check prüfen wir beispielsweise ob aus
den Ohren Blut oder Liquor (die Flüssigkeit, welche das Gehirn umgibt) austritt, ob weitere Wunden durch
die Kleidung verdeckt sind und ob die Durchblutung, Motorik und Sensibilität der einzelnen Extremitäten gegeben ist.
Bei Stürzen und ähnlichen Gewalteinwirkungen müssen wir von einer Schädigung der Halswirbelsäule ausgehen. Unverzüglich
muss also die Halswirbelsäule stabilisiert werden, um eine Schädigung des Rückenmarks zu vermeiden. Dies geschieht
mittels eines "Stiff-Necks", einer Halskrause aus Plastik und Schaumstoff, welche mit einem Klettverschluss verschlossen
wird. Diese Stiff-Necks gibt es in verschiedenen Größen, aber auch als verstellbare Modelle.
Auf diesem Bild sehen Sie, wie der Helfer rechts im Bild vorsichtig den Kopf stabilisiert, und die Kollegin links im Bild
den Stiff-Neck zügig und sicher anlegt.
Nach weiteren Maßnahmen wie z. B. der Messung des Blutdrucks übernehmen nun die Kollegen des Rettungsdienstes und ein
Notarzt die weitere Versorgung des Patienten. Auf diesem Bild sehen Sie, dass der Notarzt entschieden hat, die
Sauerstoffversorgung des Patienten mittels einer Intubation zu gewährleisten. Dies bedeuted, dass der bewusstlose
Patient einen Schlauch durch den Mund bis in die Luftröhre geschoben bekommt. Durch diesen Schlauch bekommt der Patient
auch dann Luft, sollte sich der Mageninhalt entscheiden, den Rückwärtsgang einzulegen.
Auf diesem Bild sehen Sie wie der Kollege rechts die Atmung mittels eines Beatmungsbeutels unterstützt, und der Kollege
links den Blutdruck misst. Das kleine, schwarze Gerät (neben der grünen Schere) zeigt die Sauerstoffsättigung des Blutes
an, die grauen Kabel rechts unten im Bild gehen zu einem tragbaren EKG, welches die elektrische Aktivität des Herzens überwacht
und Sie sehen, wie der gebrochene Unterarm geschient wurde. Sehr wichtig ist auch der Wärmeerhalt durch Zudecken, da
Notfallpatienten sehr schnell auskühlen.
Der Patient wurde soweit versorgt, kann aber aus nachvollziehbaren Gründen nicht ewig liegen bleiben - er muss in
den Rettungswagen gebracht werden. Da wir aber bei solch schweren Verletzungen auch eine Schädigung der Wirbelsäule
annehmen müssen, läuft die Umlagerung sehr schonend ab: Die Alu-Trage unter dem Patienten nennt sich Schaufeltrage, da
sie der Länge nach in zwei gleiche Segmente aufteilbar ist, und diese wie Schaufeln unter den Patienten geschoben werden.
Hierfür hebt die Kollegin links im Bild den Patienten an Schulter und Hüfte gleichmäßig an, und der Kollege rechts im Bild
schiebt eine der beiden Segmente unter den Patienten. Diese werden schlussendlich mittels zweier Schnappverschlüsse
verbunden. Mit dieser Schaufeltrage wird der Patient nun umgelagert. Der dritte Kollege am Kopf ist während dieser
Maßnahme mit der Überwachung und Aufrechterhaltung der Atmung befasst.
Hier sehen Sie den auf eine Vakuummatratze umgebetteten Patienten. Die Schaufeltrage wird nach gleichem Prinzip wieder entfernt.
Eine Vakuummatratze ist wie eine stabile Luftmatratze, welche mit sehr vielen, kleinen Styropor-Kügelchen gefüllt ist. Sobald der
Patient liegt und die Vakuummatratze entsprechend angeformt wurde (wie eine Bettdecke, welche man zurecht drücken kann), wird mit
einer Luftpumpe die Luft aus der Vakuummatratze abgesaugt, so dass diese hart wird und der Patient ohne verrutschen zu können gelagert
ist. So wird er in den Rettungswagen gebracht; der Patient wird erst im Krankenhaus auf ärztliche Anweisung aus der Vakuummatratze
"befreit".
Dieses Bild zeigt Ihnen die Bestandteile und Hilfsmittel einer Infusion, welche der Patient direkt in eine Vene bekommt. Eine Infusion
ist meist eine Vollelektrolytlösung (Wasser und Kochsalz), welche zwei Funktionen hat: Der schnelle Ausgleich von Volumen nach
starkem Blutverlust (innere und äußere Blutungen sowie starke Verbrennungen oder Dehydration), ebenso dienen Infusionen dem "Offen-Halten"
(das Verhindern des Verschließens der Punktion durch die Blutblättchen) von venösen Zugängen, damit der Arzt jederzeit flüssige Medikamente
geben kann.
Auf dem letzten Bild sehen Sie die "Zutaten" zu einer Intubation:
So wurde der Patient vorgefunden:
- Mehrere blutende Verletzungen im Gesicht, was auf einen Aufschlag des Kopfes auf den Boden deuted.
- Blaue Verfärbung im Gesicht, insbesondere der Lippen, was die Folge von Sauerstoffmangel ist.
- Ein gebrochener Unterarm links (in der Medizin geht man immer aus Sicht des Patienten aus).







Oben v. l. n. r.: Die Infusionslösung, das Schlauchsystem, Desinfektionsspray nebst Tupfer, einen Abwurfbehälter für die sterile Entsorgung der Nadel,
eine Armbinde zur Blutstauung.
Unten v. l. n. r.: Vier verschieden große Venenverweilkanülen (= Kanülen, die in der Vene verweilen), Pflaster zur Fixierung der Kanüle
und Einmalhandschuhe.

Oben v. l. n. r.: Eine Zange zum Entfernen von Fremdkörpern aus dem Rachenbereich, eine Klammer, das Laryngoskop zur Führung des Tubus
und zur Ausleuchtung der Atemwege, einen Führungsstab, einen Tubus zur Stabilisierung der Zunge, eine Spritze zur Füllung einer Tubus-Kammer mit Luft
(dient der Fixierung in der Luftröhre), zwei verschieden große Tuben.
Mitte: Eine Binde und Heftpflaster zur Fixierung der Tuben im Mund und einen Schlauch für die Absaugpumpe.
Unten v. l. n. r.: Ein Stethoskop zum Abhören der Lungengeräusche, Handschuhe und eine manuelle Absaugpumpe, sollten Magenhinhalt
oder Blut die Intubation "erschweren".
